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"Deutsches Fresko": "Die Blechtrommel" kommt wieder ins Kino
Mit der Nazi-Zeit setzte sich Volker Schlöndorff des Öfteren auseinander. "Die Blechtrommel" aber, seine geniale Verfilmung des Bestsellers von Günter Grass, bleibt sein Meisterwerk. Der Film aus dem Jahr 1979 war der erste deutsche Beitrag, der mit dem Oscar als bester nicht englischsprachiger Film ausgezeichnet wurde. Auch an der Croisette feierte man Schlöndorffs Werk: In Cannes gewann "Die Blechtrommel" zusammen mit Coppolas "Apocalypse Now" die Goldene Palme.

Am 31. August kommt der Film erneut in die Kinos - in 4K restauriert von Eberhard Junkersdorf und Regisseur Schlöndorff persönlich. Der Film, so Schlöndorff, wirke heute "fast noch stärker auf der Leinwand als damals, so wie die großen Gesichter der Stummfilmzeit uns heute noch mehr überwältigen als die Zuschauer damals in den Kinos. Bei der Restauration fragte ich mich oft, wie haben wir das nur gemacht."

In "Die Blechtrommel" geht es um das Leben des kleinen Oskar Matzerath (David Bennent) - von seiner Geburt im Jahre 1924 in Danzig bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Alter von drei Jahren beschließt der Junge, der schon vor der Geburt im Mutterleib äußerst hellhörig war, nicht mehr größer zu werden, weil er nicht der Welt der Erwachsenen angehören will.

Die Welt steht Kopf

Mithilfe einer Kinder-Blechtrommel und einem unglaublichen Stimmvolumen, mit dem er Glas zum Springen bringen kann, tyrannisiert er seine Eltern und protestiert zugleich auf seine Weise gegen eine mit dem Faschismus immer stärker sympathisierende Umwelt. Oskar stört Naziaufmärsche, bringt seine beiden möglichen Väter ins Grab und schwängert obendrein seine spätere Stiefmutter (Katharina Thalbach). Ein höhnischer Winzling, der die Welt auf den Kopf zu stellen vermag.

Bis zu Schlöndorffs Meisterwerk galt die Romanvorlage von Grass aus dem Jahre 1959 als unverfilmbar. Ein Problem stellte dabei vor allem die kleinwüchsige Hauptfigur dar, deren Verkörperung dann durch den damals zwölfjährigen David Bennent große Anerkennung fand. Der Regisseur stellt mit seinem Film aus der Sicht eines sich verweigernden wütenden Kindes dar, wie sich der Faschismus langsam anbahnt und immer weitere Kreise zieht. Dieses "sehr deutsche Fresko" (Schlöndorff) hat auch dank seiner historischen Einbettung und zugleich surrealen Überhöhung bis heute nichts von seiner Kraft verloren.

Von Jan Treber