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Rennfahrer-Action "Asphalt Burning": Totalschaden bei Netflix
Von "Dark" bis "How To Sell Drugs Online (Fast)", von "Unorthodox" bis "Skylines": Bei deutschen Serienstoffen bewies Netflix in den letzten Jahren ein goldenes Händchen und sahnte sogar einige renommierte Auszeichnungen ab - von Grimmepreis ("Dark") bis Emmy ("Unorthodox"). Der Schritt weg vom horizontalen Erzählen hin zum überzeugenden Langfilm gelang dem Streamingdienst bislang aber noch nicht. Sowohl das seichte Liebesdrama "Isi und Ossi" als auch die deutsche Möchtegern-Version von "The Wolf of Wall Street", "Betonrausch", konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Mit der deutsch-norwegischen Koproduktion "Asphalt Burning" (ab 2. Januar verfügbar) schickt sich Netflix nun an, diese Flaute zu beenden - und scheitert kolossal.

Deplatzierte Running Gags wirken wie ein verzweifelter Versuch, über die einfallslosen Dialogplattitüden hinwegzutäuschen. Spannende Wendungen bleiben in der allzu vorhersehbaren Handlung um den rennbegeisterten Automechaniker Roy (Anders Baasmo Christiansen) ebenfalls Mangelware. Der steht kurz vor der Hochzeit mit seiner großen Liebe Sylvia (Kathrine Thorborg Johansen). Doch wie es sich für einen wahren PS-Junkie gehört, soll der Ausgang eines Bergrennens entscheiden, ob er es verdient hat, fortan an Sylvies Seite zu sein.

Wie zu erwarten, wird Roys Plan von einer romantischen Hochzeit durchkreuzt. Die Draufgängerin Robin (Alexandra Maria Lara), einst Mitbewohnerin von Sylvia in Deutschland, schiebt sich mit ihrem roten Porsche an dem baffen Autonarren vorbei und entscheidet das Rennen für sich - da helfen selbst mutige Drifteinlagen, qualmende Reifen und hanebüchene Fahrmanöver nichts. Neben der Fahrerehre verliert Roy damit auch Sylvia - nun ja, fast. Denn Robin zeigt sich großzügig und bietet Roy eine Revanche auf dem legendären Nürburgring an.

Absurder Gastauftritt von Wencke Myhre

Was in "Asphalt Burning" folgt, ist ein chaotischer Roadtrip von Norwegen nach Deutschland. In klischeehaft erzählten Episoden spielt nicht nur eine tote Oma in einem Bestattungswagen eine Rolle, sondern auch ein norwegischer Polizist in Pension, der sich als Fahrer eines Reisebusses zufällig als Helfer für die örtlichen Behörden erweist. Mitten hinein in das recht zusammenhangslose Treiben mischen sich zahlreiche prominente deutsche Darsteller, bei denen man sich fragt, weshalb sie dem Ruf des norwegischen Regisseurs Hallvard Bræin - mit den Vorgängerfilmen "Børning" und "Børning 2" landete er immerhin veritable Kinohits in Norwegen - gefolgt sind.

Während Peter Kurth und Milan Peschel als tumbe Polizisten und Kostja Ullmann als findiger Autowerkler weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, ist Henning Baum mit XXL-Koteletten und knielangem Ledermantel als norddeutscher Autoproll Lemmy Müller aka der "Mustangkiller aus Hamburg" kaum zu erkennen. Flankiert wird er von den The BossHoss-Cowboys Alec Völkel und Sascha Vollmer, die etwas Filmluft schnuppern dürfen.

Als wäre die Besetzung dieser Nebenrollen nicht schon kurios genug, durfte auch "PS-Profis"-Moderator Jean Pierre Krämer vor die Kamera. Nichts toppt jedoch den Auftritt von Wencke Myhre. Die Schlagersängerin präsentiert in einer reichlich deplatzierten Gesangseinlage nicht nur einen ihrer Hits, sondern findet sich auch inmitten einer absurd zusammen gedichteten Lovestory mit dem sozial leicht inkompetenten Autoschrauber Nybakken (Otto Jespersen) wieder.

Einzig im gefällig inszenierten Showdown auf dem Nürburgring kommt bei "Asphalt Burning" etwas Spannung auf. Um das latente Gefühl eines B-Movies loszuwerden, reicht das finale Rennen mit schicken Boliden aber nicht aus. Stattdessen bleiben von dem Netflix-Film billig produzierte Stunts und das mäßige Drehbuch in Erinnerung - eine klassische Fehlzündung.

Von Julian Weinberger