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"Trautmann"
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 14.03.2019
Regisseur: Marcus H. Rosenmüller
Schauspieler: David Kross, Freya Mavor, John Henshaw
Entstehungszeitraum: 2018
Land: DE / UK
Freigabealter: 12
Verleih: Square One
Laufzeit: 120 Min.
David Kross und Freya Mavor im Interview
David Kross und Freya Mavor im Interview
Deutsch-schottisches Dreamteam
Bert Trautmann war eine Legende: Im Zweiten Weltkrieg wurde der deutsche Fallschirmspringer von den Briten gefangengenommen, später blieb er im Land des einstigen Feindes und wurde einer der wichtigsten Fußballtorhüter Englands. In Marcus H. Rosenmüllers Biopic "Trautmann" (Kinostart: 14. März) spielt nun David Kross das Ausnahmetalent, während Freya Mavor die junge Britin darstellt, in die er sich verliebt. Kross ist einer der interessantesten deutschen Schauspieler seiner Generation und zeigte schon in jungen Jahren in "Der Vorleser", was in ihm steckt. Mavor debütierte in der britischen Serie "Skins" und war jüngst in der schwarzen Komödie "Dead in a Week" zu sehen. Beim Gespräch in München erzählen Freya Mavor (25) und David Kross (28) vom Dreh in Irland, von der Leidenschaft Fußball - und warum Kross beim Interviewtermin Schnurrbart trägt. Man merkt schnell: Die Chemie zwischen den beiden stimmt.

Rewirpower: Interessieren Sie beide sich für Fußball?

David Kross: Ja, ich habe zehn Jahre Fußball gespielt. Es war immer ein Kindheitstraum von mir, ein Fußballstar zu werden. Damals in der Schule gab es doch diese Poesiealben, in die man reingeschrieben hat, was man werden will. Und ich habe da Schauspieler und Fußballstar geschrieben.

Rewirpower: Und jetzt sind Sie beides.

Kross: Ja, der Film gab mir die Gelegenheit, beides zu kombinieren. Wie sieht es mit Dir aus, Freya?

Mavor: Ich kann nicht sagen, dass ich seit der Schule ein Fußballfan gewesen wäre. In Großbritannien bringt Fußball auch eine etwas aggressive Kultur mit sich, was mich immer abgestoßen hat. Aber ich interessiere mich schon dafür, wenn die WM ist. Weniger wegen des Spiels, sondern wegen der Hysterie, die rundherum herrscht.

Kross: Die Partys.

Mavor: Genau.

Kross: Das Trinken.

Mavor: Ich lebe die Hälfte meiner Zeit in Frankreich, und als die französische Mannschaft letztes Jahr die WM gewonnen hat, war das schon mitreißend. Ich kannte mich mit dem Spiel an sich nicht besonders aus, aber ich fand toll, wie die Leute darauf reagierten.

Rewirpower: David, als Sie noch Fußballspieler werden wollten, sahen Sie sich da im Tor?

Kross: Nein, ich wollte schon richtig spielen. Im Film war es das erste Mal, dass ich Torhüter war. Am Anfang war ich echt schlecht, aber ich hatte einen tollen Torwarttrainer, der mir alles beibrachte. Wie man den Ball fängt, wie man ihn wirft, wo man steht. Das hat viel Spaß gemacht. Es ist jetzt fast zwei Jahre her, seit wir den Film gedreht haben. Davon werde ich heute wohl nicht mehr viel können. (lacht)

Rewirpower: Wie lange trainierten Sie?

Kross: Ich musste erst mal in Form kommen, danach waren es etwa vier Monate reines Torwarttraining. Das hatte seine Vorteile. Weil Sport zu machen, zu meiner Arbeit gehörte. Normalerweise muss man das nach der Arbeit am Abend machen.

"Ich kam nach München, trank eine Menge Bier, hatte viel Spaß"

Rewirpower: Sie wirtken beide schon in Filmen mit, in denen Sie nicht in Ihrer Muttersprache spielen konnten. Wie wirkt sich das Spielen in einer Fremdsprache auf Sie aus?

Kross: Ich mag das sehr gerne, weil ich dabei gar nicht so sehr über die Sprache nachdenke. Da denke ich beim Deutschen mehr darüber nach, während ich in einer Fremdsprache auf den Inhalt achte. Damit kommt etwas mehr Freiheit daher, aber Improvisation wäre natürlich schwierig, könnte aber lustig sein.

Mavor: Ja, die deutsche Sprache ist so viel komplexer als das Englische und hat mehr Worte für Dinge, die wir nicht haben. Aber sie ist auch sehr wörtlich. Wenn Deutsche etwas ins Englische übersetzen, dann kann das schon witzig sein. Wir hatten auch einen solchen Moment bei den Dreharbeiten, bei einer Szene mit unserem Filmsohn, mit dem wir am Strand spielten und eine Sandburg bauten. Und David meinte dann zu ihm: "Bau eine Mauer", also "Build a Wall". Er wiederholte das ein paar Mal, und wir mussten alle lachen.

Kross: Der Kontext für diesen Satz hat sich einfach geändert. Das kann man einem Kind nicht mehr sagen. (lacht)

Mavor: Verschiedene Sprachen bringen auch eine verschiedene Kultur mit sich. Französische Filme haben eine andere Atmosphäre und eigene Regeln. Das geht auch mit der Sprache einher, weswegen es interessant ist, in diese tiefer einzutauchen.

Rewirpower: In der letzten Szene des Films ist der Song "Abide With Me" zu hören, den Sie, Freya, gesungen haben. Wie kam es dazu?

Mavor: Regisseur Marcus Rosenmüller und der Komponist Gerd Baumann fragten mich, ob ich singen würde und interessiert wäre, diesen Song für den Film aufzunehmen. Wir haben das erst wenige Tage vor dem Ende der Postproduktion aufgenommen. Ich kam dafür nach München, trank eine Menge Bier, hatte viel Spaß, und dann nahmen wir den Song spät Nachts auf, nachdem wir uns auch lange und gut unterhalten hatten und sehr emotional geworden waren. Es war ein sehr intimer Moment, den Song aufzunehmen.

Kross: Es ist ein wirklich sehr schöner Song, er akzentuiert diesen emotionalen Moment am Ende des Films sehr gut.

Rewirpower: Sind Sie jetzt neidisch, dass Sie ihn nicht singen durften?

Kross: (lacht) Ich bin froh für das Publikum.

Rewirpower: Freya, was genießen Sie mehr - das Singen oder das Schauspielen?

Mavor: Ich spiele mehr, als ich singe. Singen ist für mich etwas sehr Emotionales, und ich verbinde Musik mit sehr vielen persönlichen Dingen. Das macht es für mich schwerer, vor einem Publikum zu singen. Aber ich habe es geliebt, 2013 den Musicalfilm "Make My Heart Fly" zu drehen. Und ich würde jederzeit gerne wieder in einem Musical mitwirken.

"Am Ende war es sehr emotional"

Rewirpower: Hätten Sie Lust, in einem Musical mitzuspielen, David?

Kross: Ich bräuchte dafür sehr, sehr viel Zeit, um das zu üben.

Rewirpower: Länger als das Torwarttraining?

Kross: Auf jeden Fall. Mindestens ein Jahr. Das würde mich schon reizen, aber ich müsste wirklich sehr lange dafür trainieren.

Rewirpower: Was ist Ihnen beiden vom Dreh des Films am meisten im Gedächtnis hängengeblieben?

Kross: Ich erinnere mich besonders an den letzten Drehtag. Das war eine Szene auf dem Fußballfeld, in der ich in den Schlamm falle. Das ist nur eine kurze Szene, aber eine, bei der ich zum Schluss irgendwie alles rauslassen konnte. Wir hatten eine tolle Crew aus England und Deutschland, die sich auch näherkam. Am Ende war es dann schon sehr emotional.

Mavor: Das ist witzig. Ich erinnere mich auch an den letzten, aber auch an den ersten Tag. An dem drehten wir die Szene, in der unser Sohn tot ist und wir all diese emotionalen, intensiven Momente spielen mussten. Damit fing der Dreh sehr intensiv an. Ich erinnere mich auch an den Tag am Strand. Die ganzen Strandszenen mussten da unter Dach und Fach gebracht werden. Am Vormittag hatten wir die Szenen mit unserem Sohn, später dann die Szenen am Strand, nachdem er gestorben ist. Das Wetter spielte da auch mit. Die Szenen mit dem Sohn fanden bei prächtigem, sonnigem Wetter statt, während das Wetter am Nachmittag nachließ und Wolken aufzogen. Das passte sehr zur Stimmung, die transportiert werden sollte. Der Wettergott war da mit uns.

Rewirpower: In Irland muss man nicht lange warten, und das Wetter ändert sich.

Mavor: Genau. Es gibt auch dieses irische Sprichwort: "Wenn du denkst, das Wetter sei schlecht, warte einfach eine Minute."

Rewirpower: Was dürfen wie als nächstes von Ihnen erwarten?

Mavor: Sie müssen ihn nach seinem Schnurrbart fragen.

Kross: Der ist für ein neues Projekt, aber ich darf noch nicht darüber reden.

Rewirpower: Aber der Schnurrbart ist für die Rolle?

Kross: Ja, aber mehr darf ich nicht sagen.

Mavor: Ich habe zwei weitere Projekte, die in Kürze herauskommen: die romantische Science-Fiction-Serie "Il était une seconde fois" für ARTE und der Film "Gore" über Gore Vidal für Netflix. Und ich schreibe gerade ein Drehbuch für einen Kurzfilm, den ich dann machen möchte.

Von Peter Osteried