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"Joker"
Filmbewertung: ausgezeichnet
Starttermin: 10.10.2019
Regisseur: Todd Phillips
Schauspieler: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 16
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany
Laufzeit: 122 Min.
Joaquin Phoenix im Interview zu "Joker"
Joaquin Phoenix im Interview zu "Joker"
Eine extreme Rolle
Hollywood-Star Joaquin Phoenix ist dafür bekannt, alles für seine Rollen zu geben und sich voll und ganz in die Charaktere, die er spielt, hineinzuversetzen. Dreimal war er bereits für einen Oscar nominiert, hat die begehrte Trophäe aber noch nie mit nach Hause nehmen können. Das könnte sich bei der nächsten Oscar-Verleihung ändern. Denn Phoenix schlüpfte in eine der wohl umstrittensten und herausforderndsten Rollen der Kinowelt: Arthur Fleck alias der "Joker" (Kinostart: 10. Oktober). Und seine Transformation zum legendären DC-Bösewicht hat es in sich. Der 44-Jährige studierte nicht nur die bizarre Mimik und Gestik bis hin zur perfiden Lache des irren Clowns perfekt, er nahm für die Rolle auch stolze 25 Kilo ab. Den Zuschauern bietet sich eine ganz neue Version des Jokers, den immerhin schon Hollywood-Größen wie Jack Nicholson, Jared Leto oder Heath Ledger verkörpert haben. Wie Joaquin Phoenix es schaffte, diese Herausforderung zu meistern, und wie er persönlich mit dem Thema Einsamkeit umgeht, verrät er im Interview.

Rewirpower: Der neue Joker wird weltweit mit Spannung erwartet. Sie sind gerade viel unterwegs, um den Film zu promoten. Sind Sie erschöpft?

Joaquin Phoenix: Ich muss gestehen: Das viele Reisen und vor allem die unterschiedlichen Zeitzonen hinterlassen schon Spuren. Das nehme ich jedoch gerne im Kauf, denn da ich weder Filmkritiken noch Entertainment-News lese, sind die Interviews mit Journalisten für mich die einzige Möglichkeit, mit Leuten über den Film zu sprechen, die ihn schon gesehen haben. Nur so kann ich herausfinden, ob ihnen unsere Arbeit gefällt und was sie über den Film denken.

Rewirpower: War es hart für Sie, sich in diese extreme Rolle hineinzuversetzen?

Phoenix: Jede Rolle, in die ich mich hineinversetze, ist eine ganz eigene Herausforderung. Für uns Schauspieler ist es eine andere Erfahrung als für den Zuschauer. Wenn man im Kino eine einzelne, sehr intensive Szene sieht, drehen wir dafür wahrscheinlich den ganzen Tag oder sogar länger. Deshalb bekommen wir als Schauspieler nicht nur diesen kurzen Schockeffekt, sondern setzen uns viel länger mit Extremsituationen auseinander. Ich habe von Kollegen gehört, dass sie so etwas sehr mitnimmt. Aber bei mir ist das Gott sei Dank nicht so stark. Ich schaffe es, die Szene hinterher wieder abzuschütteln, ohne dass sie lange in meinem Kopf herumschwirrt.

Rewirpower: Wie haben Sie sich auf den Joker vorbereitet?

Phoenix: Er hat so viele verschiedene Facetten und Persönlichkeiten. Ich würde sagen, dass es zwei Charaktere waren, die ich spielen musste. Sicherlich nicht einfach, aber ich mag es, wenn ich vor großen Herausforderungen stehe. Noch bevor ich überhaupt das Drehbuch gelesen hatte, besuchte mich Regisseur Todd Phillips zu Hause. Wir schauten uns unzählige Videos von unterschiedlichen Lacharten an. Von sanft bis hysterisch. Schließlich ist die Lache des Jokers eine seiner hervorstechendsten Eigenarten.

Rewirpower: Was kam dann?

Phoenix: Ich habe mich mit sämtlichen Medikamenten auseinandergesetzt, die im Film eine Rolle spielen. Bei meinen Recherchen bin ich darauf gestoßen, dass eine der stärksten Nebenwirkungen, die sie gemein haben, extremer Gewichtsverlust ist. Daraufhin haben wir uns entschieden, dass mein Joker dürr und ausgemergelt aussehen soll.

"Es war eine extrem harte Herausforderung"

Rewirpower: Wie viel Gewicht haben Sie verloren?

Phoenix: Etwa 25 Kilo. Das war nicht leicht, ganz im Gegenteil sogar. Es war eine extrem harte Herausforderung, aber absolut notwendig, damit ich mich voll und ganz in die Rolle hineinversetzen konnte. Aber keine Angst, ich habe mich in keine Gefahrenzonen bewegt, und ich bin davon auch nicht krank geworden.

Rewirpower: Der Joker bringt ja auch seine ganz eigene Art von Humor mit sich. Ist Ihnen persönlich Humor wichtig?

Phoenix: Wir bekommen viel unangemessenen Humor in diesen Film zu sehen, aber davon abgesehen finde ich Humor generell extrem wichtig. Vor allem in unserer Jugendkultur. Wir sollten viele Probleme, mit denen wir heutzutage konfrontiert sind, auf eine leichtere Art und Weise angehen.

Rewirpower: Auch das Thema Einsamkeit spielt eine große Rolle im Film. Wie gehen Sie mit Einsamkeit um?

Phoenix: Ich persönlich finde Gefallen daran, alleine zu sein, und möchte das mehr und mehr ausweiten. Ich sage meinen Freunden sogar: Ruft mich nicht jeden Tag an, ich muss nicht täglich mit euch telefonieren, das ist mir zu viel (lacht).

Rewirpower: Trotz all der Verrücktheit des Jokers scheint auch Liebe für ihn eine Rolle zu spielen. Wie sehen Sie das?

Phoenix: Ich würde sagen, dass der Joker verschiedene Beweggründe hat, am Ende so zu sein, wie er ist. Und wie gesagt hat er ja auch mehrere, ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich finde gerade das sehr interessant und bin gespannt auf die Reaktionen der Zuschauer. Ich möchte keine Meinung vorwegnehmen, jeder soll für sich selbst entscheiden, was der Joker für ihn bedeutet. Eines ist aber klar: Es ist ein einzigartiges Filmerlebnis und lädt den Zuschauer dazu ein, auf eine Art und Weise daran teilzunehmen, wie viele andere Filme es nicht tun. "Joker" ist sicherlich kein einfacher Film, und er ist gefüllt mit extremen Emotionen, aber genau das ist es, was Filme ausmacht. Und ich denke, das spürt der Zuschauer auch.

Von Rachel Kasuch